Geschichte
Gründung der Cochemer Bürgerwehr
Dieser Vorfall, der sich am 20. März ereignet hatte, erregte bei den Konservativen größten Unmut. Eine Gesellschaft, die vorgab, für Ruhe und Ordnung sorgen zu wollen, verging sich an Sinnbildern? Daraufhin wurde am 22. März auf Anregung des Bürgermeisters Keiffenheim im Rathaussaal eine Bürgersicherheitswache, die Cochemer Bürgerwehr, gebildet. Zu ihrem Obervorsteher wurde der Apotheker Nettstraetter gewählt. In der Nacht vom 22. zum 23. März hielt die Bürgerwehr ihre erste Wache, an der auch der zuvor gegründete Schützenverein teilnahm. Der Schützenverein wurde später in die Bürgerwehr integriert, es kam jedoch immer wieder zu Streitigkeiten. Von dieser Nacht an versahen die Bürger den Wachdienst und nahmen polizeiliche Aufgaben wahr. DieStadt wurde in verschiedene Bezirke aufgeteilt und zu jeder Stunde durchkreuzt. Betrunkene Personen wurden unter Arrest genommen: Erst wenn sie ihren Rausch ausgeschlafen hatten, wurden sie mit ernstlicher Mahnung entlassen. Am 25. März fand auf der Herrenwiese (im Bereich der heutigen Ravenéstraße) eine große Kundgebung statt, in deren Verlauf eine Bürgerschutzgemeinschaft gegründet wurde, die mit einer Bürgerwehr identisch war. Anfang April erhielt Bürgermeister Keiffenheim zur Bewaffnung der Cochemer Bürgerwehr 150 Gewehre und 50 Säbel.
Die Stadt glich in jenen Tagen einem Feldlager, denn allerorten sah man bewaffnete Bürger - und die Bürgerwehr zog nun regelmäßig zur Übung auf die Herrenwiese hinaus.
Am 9. Mai beschloß der Stadtrat außerdem die Anschaffung eines Signalhorns und zweier Querpfeifen für die Bürgerwehr sowie zweier Signalhörner für den Schützenverein auf städtische Kosten.
Am 30. Mai 1848 erschienen im offiziellen Anzeiger für den Kreis Cochem die
Statuten der Cochemer Bürgerwehr.
Aufgaben damals
Die Cochemer Bürgerwehr ist tief verwurzelt in der Geschichte ihrer Heimatstadt. Schon im Mittelalter war es für die Bürger der Stadt eine Pflicht, Hab und Gut gegen heranstürmende Feinde zu verteidigen. Anordnungen der kurtrierischen Verwaltung des Moseltales geben noch heute Zeugnis über die allgemeine Wehrpflicht der Bürger Cochems. So ordnete der Stadtamtmann Georg von der Leyen bereits am 19. März 1552 folgendes an:
"Erfassung aller Wehrfähigen und Inpflichtnahme sämtlicher Handwerksgesellen, ständige Wehrbereitschaft von 82 Mann, Rotteneinteilung und Abstellung an die einzelnen Stadtpforten, stete Einsatzbereitschaft aller Tor- und Mauerwächter, Waffen sind in gutem Zustand zu halten. Bei Gefahr: Hornsignal und Läuten der Brandglocke. Im Rathaus und im Monrealer Hof (heute der Bereich des Union Hotels) lagernde Waffen (Musketen, Morgensterne, Büchsen, Pulverflaschen, Schlachtschwerter, halbe Schlangen, steinerne und eiserne Kugeln, Kolben, Handröhren, Brandhaken und Leitern) werden bei Bedarf ausgegeben."
Es war die rauhe Zeit der Glaubenskriege, die verwegene und schwerbewaffnete Söldnertruppen ins Moseltat verschlug und solchermaßen beschriebene Abwehrmaßnahmen erforderlich machten. Eben die Zeit, in der Deutschland durch die ersten Bauernkriege geprägt war und an die sich knapp ein Jahrhundert später der für die Dörfer und Städte verheerende 30jährige Krieg anschloß.
Aufgaben heute
Gemäß Satzung sind es nach wie vor Veranstaltungen, die der Werbung und Representation für die Stadt und das Umland dienen. Dazu gehören Auftritte bei Feierlichkeiten in den Nachbarorten Bruttig-Fankel, Klotten, Pommern oder Valwig ebenso wie die regelmäßige Teilnahme an den Trachtentreffen in Kröv und Bernkastel sowie beim Bochumer Maiabendfest und in den Partnerstädten Avallon (Frankreich) und Moritzburg (Sachsen). Besonders werbewirksam sind dabei stets Veranstaltungen, die vom Fernsehen übertragen werden. In Cochem selbst ist die Bürgerwehr nicht mehr wegzudenken bei Veranstaltungen wie das Cochemer Heimat-und Weinfest Ende August sowie bei der Mosel-Wein-Woche und bei vielen weiteren Cochemer Festlichkeiten.